Für die meisten netzaffinen Menschen ist es kaum vorstellbar, aber das Fernsehen hat bei den Nutzungszeiten von Medien noch immer die Nase vorn. Das wird sich aber im kommenden Jahr endgültig ändern – das Internet übernimmt dann die führende Rolle und das letztlich sogar schneller als bisher angenommen wurde.

Mediennutzung: Internet vs. TV Nutzungszeiten weltweit

Das Marktforschungsunternehmen Zenith, das die Entwicklung seit vielen Jahren im globalen Maßstab beobachtet, ging bisher davon aus, dass das Fernsehen auch im nächsten Jahr wieder vorne sein wird. Jetzt haben die Experten dort ihre Prognose aber revidiert. Die Wachablösung steht demnach dann doch schon 2019 bevor.

Nach den aktuellen Hochrechnungen werden die Verbraucher weltweit im kommenden Jahr durchschnittlich 170,3 Minuten am Tag den Fernseher laufen haben. Die Internet-Nutzung wird mit 170,6 Minuten leicht darüberliegen. Dass es nun doch schneller geht, liegt an verschiedenen Faktoren – die aber allesamt dafür sorgen, dass dem Fernsehen die Aufmerksamkeit entzogen wird.

Den größten Effekt hat die rasante Entwicklung im Smartphone-Segment. Hier sind in den letzten Jahren immer preiswertere Geräte auf einen Stand gekommen, der die Internet-Nutzung auf ihnen angenehm macht. Das sorgte vor allem in den Entwicklungsländern, wo die Mobiltelefone meist die wichtigsten Zugangssysteme zum Netz sind, für einen massiven Schub in der Online-Zeit.

Gesamte Nutzungszeit geht hoch

Aber auch die Entwicklung bei den Diensten im Netz beschleunigt die Verschiebung: So binden die großen sozialen Netzwerke die Nutzer über immer längere Zeiten – denn diese werden zunehmend zur wichtigsten Plattform für die Kommunikation mit Freunden. Aber auch das Wachstum der diversen Video-Streaming-Angebote gräbt dem Fernsehen das Wasser ab.

Generell ist es aber nicht so, dass das Wachstum der Online-Nutzung in gleichem Maße den anderen Medien etwas wegnimmt. Denn die gesamte Zeit für die Mediennutzung steigt ebenfalls – von 479 Minuten in diesem auf 486,5 Minuten pro Tag im kommenden Jahr. Dabei summiert sich auch die parallele Nutzung – etwa wenn Verbraucher zwar vor dem Fernseher sitzen, aber gleichzeitig auch am Smartphone mit Bekannten chatten.